August/September 2026 – Vorbereitung Nordrhein–Regionalliga – mB-Jugend
Bonner JSG mB1
Ort(e): Vinnhorst, Solingen, Bonn
Dreieinhalb Wochen, bis zu acht Trainingseinheiten pro Woche, Beethoven, Minigolf, Drei-Gänge-Menüs und hochklassiger Handball gegen Bundesliga-Nachwuchs:
Die Vorbereitung der männlichen B1 hatte einiges zu bieten. Vor allem aber folgte sie einem klaren Plan. Schritt für Schritt sollte aus vielen individuellen Qualitäten eine Mannschaft mit eigener Identität entstehen. Am Samstag um 18 Uhr wird es im Pennenfeld gegen BTB Aachen erstmals ernst.
„Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß, wohin er segeln will.“
Dieses Motto begleitete die männliche B1 durch eine Vorbereitung, in der es um deutlich mehr ging als Kondition, Kraft und Spielsysteme. Die Mannschaft sollte wissen, wie sie Handball spielen möchte – aber ebenso, wer sie als Team sein will.
Der Start war zunächst sehr anstrengend: arbeiten. Handball- und Krafttraining wurden kombiniert, in Spitzenzeiten standen bis zu acht Einheiten innerhalb einer Woche auf dem Programm. Neben der körperlichen Grundlage wurden neue handballerische Prinzipien, Regeln und Abläufe etabliert. Entscheidungen unter Belastung, variable Angriffslösungen und das gemeinsame Verteidigen rückten zunehmend in den Fokus.
Auf diese sportliche Basis folgte der nächste Baustein: aus einzelnen Spielern sollte eine Einheit werden.
Vom Minigolf zu Beethoven
Beim gemeinsamen Minigolf mit Puzzle-Aufgaben und anschließendem Picknick begann der bewusste Teambuilding-Prozess. Jeder brachte etwas mit, jeder musste seinen Beitrag leisten – ein einfaches Prinzip, das ziemlich gut zu einer Mannschaftssportart passt.








Wenig später wurde es ungewöhnlicher.
Die B1 traf sich morgens in der Bonner Innenstadt. Zunächst galt es, die Stadtpatrone Bonns ausfindig zu machen, anschließend führte der Weg ins Beethoven-Haus. Dort beschäftigten sich die Spieler mit Ludwig van Beethoven, seiner Verbindung zu Bonn und den ästhetischen Kategorien seiner Musik.
Die entscheidende Frage lautete allerdings: Was hat Beethoven mit unserem Handball zu tun?
In Kleingruppen sollten die Jugendlichen Beethovens Charakter, seine Musik und seine Verbindung zur Stadt auf den eigenen Spielstil übertragen. Die Ergebnisse wurden kreativ präsentiert – Schauspiel, Pantomime oder Musik ausdrücklich erlaubt.

Danach suchten die Gruppen ein Bonner Gebäude, das aus ihrer Sicht sinnbildlich für die Mannschaft steht. Und schließlich begann eine kleine Tauschaktion: Aus drei unscheinbaren Gegenständen sollte durch geschicktes Tauschen etwas entstehen, das das Team durch die Saison in der Kabine begleiten kann.
Es wurde diskutiert, improvisiert und vor allem viel gelacht. Gleichzeitig zeigte sich, wie selbstverständlich sich die Jugendlichen auf Aufgaben einließen, die mit einem Handball zunächst einmal wenig zu tun hatten – und am Ende eben doch sehr viel.
Zum Abschluss hielt jeder Spieler auf einer Gedankenwolke fest, wo er sich selbst und die Mannschaft in einem Jahr sehen möchte. Die Antworten verschwanden in einem Briefumschlag. Verschlossen. Weggelegt. Wiedervorlage in einem Jahr.
Der Kurs war damit zumindest auf dem Papier gesetzt.
Hannover: Jetzt musste es auf dem Feld funktionieren
Die erste größere sportliche Bewährungsprobe folgte beim Young Vikings Cup in Hannover-Vinnhorst. Mit dem Zug angereist, bezog die Mannschaft eine Ferienwohnung für 18 Personen – inklusive Küche, Kicker und Billardtisch.
Auch hier endete die Mannschaftsentwicklung nicht an der Hallentür. Ein Schwerpunkt des Wochenendes war Sporternährung. Die Spieler wurden in Teams eingeteilt, bekamen Einkaufslisten und mussten anschließend gemeinsam Drei-Gänge-Menüs auf den Tisch bringen.



Die Botschaft: Sportgerechte Ernährung kann einfach sein und Spaß machen. Und ganz nebenbei benötigt auch eine Küche Kommunikation, Aufgabenverteilung und Teamwork. Besonders die Desserts dürften dabei ihren ganz eigenen Beitrag zur Mannschaftsmoral geleistet haben.
Sportlich wartete zum Auftakt mit der HSG Schaumburg direkt ein Bundesliga-Qualifikant. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellte sich die B1 immer besser auf die körperliche Intensität ein und fand zunehmend gute Lösungen in ihren Kombinationen.
Gegen die SG Hamburg-Nord wurden die eigenen Systeme bereits sicherer – bis die Verletzung von Basti eine spontane Veränderung verlangte. Die Mannschaft stellte ihr Angriffsspiel um und agierte fortan mit zwei Kreisläufern. Ein System, mit dem kaum Erfahrung vorhanden war.
Es funktionierte trotzdem.
Die Spieler passten sich an, übernahmen neue Rollen und entschieden die Partie für sich. Genau jene Flexibilität, die zuvor trainiert worden war, musste plötzlich unter Wettkampfbedingungen abgerufen werden.
Zum Abschluss des ersten Tages gelang gegen Gastgeber TuS Vinnhorst ein deutlicher Erfolg, bei dem alle Spieler wichtige Einsatzzeiten sammeln konnten.
Danach: zurück in die Unterkunft, nächstes Drei-Gänge-Menü. Man könnte sagen, die B1 arbeitete an diesem Wochenende sowohl an ihrer taktischen als auch an ihrer kulinarischen Variabilität.
Enger Kader, müde Beine – und neue Erfahrungen
Am zweiten Turniertag fehlten mit Basti und Felix zwei Spieler verletzungsbedingt. Die Beine wurden schwerer, der Kader kleiner – die Aufgaben nicht.
Gegen den Walddörfer SV hielt die Mannschaft am Spiel mit zwei Kreisläufern fest und fand erneut gute Lösungen. Nach einem Unentschieden ging es ins Siebenmeterwerfen. Der Nervenkitzel war inklusive, das bessere Ende allerdings nicht: Die Entscheidung ging verloren.






Anschließend gelang erneut ein deutlicher Erfolg gegen Vinnhorst, ehe im letzten Spiel gegen Hamburg-Nord die Reserven nach zwei intensiven Tagen nicht mehr ganz ausreichten.

Trotzdem überwogen die positiven Erkenntnisse deutlich. Die Mannschaft hatte auf Verletzungen reagiert, taktisch improvisiert, Drucksituationen erlebt und trotz zunehmender Müdigkeit Lösungen gefunden.
Die Rückreise rundete das Abenteuer standesgemäß ab. Einige Beteiligte schafften es tatsächlich erst gegen vier Uhr morgens nach Hause. Auch das gehört offenbar zur Saisonvorbereitung.
Analysieren statt abhaken
Hannover wurde anschließend nicht einfach zu den Akten gelegt. Gemeinsam wurden Spielszenen analysiert, gute Lösungen herausgearbeitet und Fehler besprochen. Aus den Erkenntnissen entstanden neue Details für die Trainingsarbeit.
Denn bereits eine Woche später wartete die nächste Stufe: der hochklassig besetzte Stadtwerke-Cup 2026 in Solingen beim Bergischen HC.
Teilnehmende Teams waren neben der B1 der Bonner JSG, die Teams des BHC, der MT Melsungen und der HSV Handball Lemgo.

Und genau dort wurde sichtbar, was sich innerhalb weniger Wochen verändert hatte.
Die B1 präsentierte sich gegen alle drei Bundesliga-Nachwuchsteams auf Augenhöhe und zeigte vor allem defensiv einen deutlichen Schritt nach vorne. Die Helferketten griffen besser, die Abwehr arbeitete verzahnter und die Körpersprache vermittelte zunehmend das, woran seit Beginn der Vorbereitung gearbeitet worden war: Hier verteidigen nicht sechs Einzelne – hier verteidigt eine Mannschaft.
Auch offensiv zahlte sich die Arbeit aus. Unterschiedliche Spielsysteme konnten flexibel eingesetzt und an den Gegner angepasst werden. Neue Spieler fügten sich hervorragend ein und zeigten zugleich, wie wertvoll die entstandene Breite des Kaders sein kann.
Gegen den Bergischen HC gelang ein Sieg. Gegen den HSV Handball Lemgo und die MT Melsungen standen am Ende lediglich knappe Niederlagen.
Wichtiger als die Ergebnisse war jedoch die Entwicklung dahinter.
Von Turnier zu Turnier ein Stück weiter.
Genau darin liegt das Fazit dieser Vorbereitung.
Am Anfang standen hohe Trainingsumfänge und neue handballerische Prinzipien. Danach folgten gemeinsame Erlebnisse, ungewöhnliche Aufgaben und die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. In Hannover musste die Mannschaft erstmals unter erschwerten Bedingungen improvisieren. Die Erfahrungen wurden anschließend analysiert – und schon eine Woche später waren gegen drei Bundesliga-Nachwuchsteams sichtbare Fortschritte zu erkennen.
Vom Training zum Teambuilding, vom Teambuilding zum Wettkampf und vom Wettkampf zurück in die gemeinsame Analyse.
So entstand in dreieinhalb Wochen nicht nur eine körperliche und taktische Grundlage. Es entwickelt sich zunehmend eine Mannschaft, die versteht, warum sie etwas tut, die verschiedene Spielsysteme adaptieren kann und die gelernt hat, Herausforderungen anzunehmen und gemeinsam zu lösen.
Beethoven hätte vermutlich keinen guten Kreisläufer abgegeben. Ein Gedanke aus seiner Heimatstadt passt zu dieser B1 aber hervorragend: „Eine eigene Handschrift entsteht nicht dadurch, dass jeder dasselbe kann – sondern dadurch, dass unterschiedliche Fähigkeiten zu einem gemeinsamen Werk werden“.
Jetzt muss sich zeigen, wie dieses Werk unter Wettkampfbedingungen klingt.
Die Vorbereitung ist beendet. Der Kurs ist gesetzt. Und der verschlossene Briefumschlag mit den Zielen für das kommende Jahr wartet bereits.
Am kommenden Samstag um 18 Uhr beginnt im Pennenfeld gegen BTB Aachen die neue Saison. Zeit, das Bonner Feuer brennen zu lassen.
Kaderliste B1 der Bonner JSG:
Oscar Wiemken (Tor), Nick Kaminski (Tor); Anton Dick, Bastian Scholl, Benjamin Runkel, Emil Seufert, Emilias Otto, Felix Gasenzer, Felix Kenfenheuer, Jonah Schweikardt, Jonas Flüshöh, Leon Lücke, Michel Müller, Timo Greitens, Tom Groneck, Tom Trinks, sowie Paul Fuchs, Tudor Gruia, Ruben Barros,
